Vorwort des Gemeindebriefes 138

Liebe Leserinnen und Leser des Gemeindebriefes,
grade komme ich aus dem Gottesdienst….
Nun werden Sie sich wundern und denken, wieso, die sind doch alle abgesagt und dürfen nicht mehr stattfinden. Das stimmt schon, aber es gibt ja auch die Fernsehgottesdienste, die uns einfach so am Gottesdienst teilnehmen
lassen und mit einbinden in eine große Gemeinschaft derer, die dort beten und singen, uns zum Mitbeten und Singen einladen.

Ich muss gestehen, bislang habe ich diese Gottesdienste kaum verfolgt, logisch, ich war zu der Zeit meist selber entweder in Dedesdorf oder in Esenshamm oder vielleicht noch in einer anderen Gemeinde und habe selber Gottesdienst gehalten.

Umso berührender und schöner, aber auch sehr ungewohnt war für mich heute der Gottesdienst aus St. Ansgar aus Oldenburg mit dem Thema: Den Blick aushalten. Geplant war der Gottesdienst sicherlich anders als er heute tatsächlich gefeiert wurde, ohne Gottesdienstbesucher*innen und „nur“ mit dem Chor und den wenigen Mitwirkenden.

Ungewohnt deshalb, weil ich zuhause war, wie verhalte ich mich zuhause bei einem Gottesdienst und ich bin beim Glaubensbekenntnis und beim Vater unser, natürlich auch zum Segen aufgestanden, das war für mich unabhängig von einem Kirchenraum.

Natürlich stellt sich mir die Frage, wie viele Menschen werden es nun tatsächlich vermissen, dass sie nicht in den Gottesdienst gehen können, dass selbst zu Ostern keine fröhlichen Gottesdienste gefeiert werden können, in
der gewohnten Gemeinschaft mit anschließendem Frühstück nach der Osternacht oder den uns erfreuenden Klängen unseres Chores.

Werden viele einfach nur denken, na ja, das vermisst sowieso keiner oder wird es uns nachdenklich machen, dass etwas, was vertraut durch das Glockengeläut immer präsent ist, nun tatsächlich nicht gemeinsam zu feiern
ist?

Ich bin mir sicher, dass viele sonntags denken:

„Ja, die Glocken läuten, da wird Gottesdienst gefeiert, nun, da könnten wir auch mal wieder hingehen, aber ach heute ist es schon zu spät. Ich habe schon eine Einladung und überhaupt weiß ich gar nicht immer, wann Gottesdienst ist. Ein anderes Mal also vielleicht.“

Und nun ist „ein anderes Mal“ vielleicht in weiter Ferne. Die Konfirmand*innen und die Eltern und Familien fragen bangend, ob die Konfirmation in naher Zukunft stattfinden kann.

Und ich merke, dass mir der Kopf rauscht vor lauter Nachdenken, weil ich, weil wir, in der Kirchengemeinde Entscheidungen treffen müssen, die vielleicht enttäuschen werden.

Auf einmal ist das Selbstverständliche, Verfügbare in Form von Gottesdiensten, die die meisten sonst selten bis nicht besuchen, doch wichtig geworden, haben eine andere Bedeutung bekommen.

Wie gehen wir also damit um?

Alles, was ich heute schreibe, kann morgen schon völlig veraltet sein, erst recht, wenn der Gemeindebrief erscheint, dann ist schon wieder Zeit vergangen und neue Entscheidungen sind vermutlich getroffen oder werden zu treffen sein.

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

Diese Worte aus dem 2.Timotheusbrief (1,7) sollen uns in dieser Zeit begleiten, uns zur Besonnenheit aufrufen. Besonnenheit in einem verantwortlichen Handeln für uns selber aber eben auch für unsere Nächsten, vor
allem aber für die, die tatsächlich unsere Unterstützung brauchen.

So kann ich Sie alle nur um Verständnis und Besonnenheit bitten, wenn in den nächsten Wochen und vielleicht Monaten alles anders ist als bisher, wenn ich Besuche telefonisch handhaben werde, wenn wir überlegen müssen, wie wir in Kontakt bleiben (können) und wollen.

Das gute alte Telefon wird uns dabei hilfreich sein, vielleicht können wir uns tatsächlich darauf besinnen, wieder Briefe zu schreiben. Es gibt immer noch diese altmodischen Dinger, die da an Häusern hängen und in die
man etwas einwerfen oder zuschicken kann.

Vielleicht kann uns dieses Virus tatsächlich entschleunigen und wir können dem allen etwas Gutes abgewinnen, indem wir besonnen handeln, nachhaltig und nachdenklich.

Die jeweiligen Kirchenräte werden in den nächsten Tagen zusammen sein und beraten, wie wir uns verantwortlich verhalten können.

Da die Gottesdienste zur Zeit nur im Radio oder eben am Fernsehen zu erleben sind, gebe ich Ihnen allen in unserem Gemeindebrief ein paar Andachten an die Hand, die Sie in der noch bestehenden Passionszeit lesen, für sich alleine oder gemeinsam im Haus feiern können, aber auch für Ostern. In der Hoffnung, dass wir uns bald auch wieder einmal in einem Gottesdienst sehen können und fröhlich singen können.

Bis dahin bleiben und seien Sie behütet und ein herzliches Gott befohlen!

Ihre Pfarrerin Bettina Roth

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