Vorwort des Gemeindebriefes 139

Liebe Leserinnen und liebe Leser,
 
Gottesdienste sind ab sofort wieder möglich, allerdings mit großen Auflagen und Einschränkungen: Alltagsmaske tragen, Hände desinfizieren, einzeln eintreten, Daten hinterlassen für den Fall, dass etwas wäre und vieles mehr. Nun haben wir die ersten Gottesdienste zusammen feiern können, an Himmelfahrt und anstelle des Rollergottesdienstes ein „normaler“ Gottesdienst unter den neuen Bedingungen. Kein Gemeindegesang, zum Glück Musik und Sologesang auf der Empore und im Garten. Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. (Ps. 98,1) So hieß einer der letzten Sonntage nach Ostern, Kantate. Das gemeinsame Singen, einer der wichtigen Bestandteile unserer gemeinsamen Feiern, war nicht dabei und ist weiterhin nicht möglich. Das empfinden nicht wenige Menschen als sehr ungewohnt und zuweilen auch bedrückend.

Sind Lieder doch unser persönliches Mitmachen im Gottesdienst neben gemeinsam gesprochenen Gebeten wie dem Vater unser. Und vielleicht gehen grade dem einen oder der anderen Lieder durch den Kopf: Lobe den Herren; Wie lieblich ist der Maien oder das Danke-Lied, das wir sicher auch zur Konfirmation gesungen hätten. Lieder, die wir mit Schwung mitsingen können, Lieder, die uns Freude machen, mit Energie füllen, uns aufrichten. Vor allem, wenn wir gemeinsam singen oder auch nur mitbrummen. Dann können wir so etwas wie Kraft spüren, die uns begeistert und Mut macht.

Ein Lied, das mir noch vom Text her im Ohr ist und mich während der ganzen letzten Wochen immer wieder begleitet hat, haben wir im Gottesdienst zum Weltgebetstag gesungen, den wir Anfang März noch mit vielen Kirchengemeinden zusammen feiern durften.  Im Refrain eines Liedes hieß es als Zuruf: „Du schaffst das!“  In der Liturgie und den biblischen Texten des Weltgebetstages hatte das Vorbereitungskomitee die Heilung des Gelähmten in das Zentrum gestellt. In der Geschichte begegnet der Gelähmte Jesus und erzählt ihm, dass er einfach keine Möglichkeit hat durch seine Lähmung in die heilenden Wellen des Sees zu gelangen. Und Jesus sagt zu ihm: Steh auf, nimm dein Bett und geh. Und der Gelähmte erfährt mit Freude und Verwunderung, dass er geheilt ist und geht in das Leben zurück.

Eine Gruppe aus dem CVJM Wohnheim aus Kleinensiel, die mit uns diesen fröhlichen Gottesdienst gefeiert hat, hat mit unbeschreiblicher Freude und Energie immer wieder auf ihren Einsatz gewartet und laut uns allen zugerufen: „Du schaffst das!“ Und am liebsten wären sie dabei noch aufgesprungen.  Du schaffst das, in diesen drei Worten steckt so viel.  Sie sprechen uns Zuversicht zu, uns nicht kleinkriegen zu lassen von dem, was um uns herum geschieht; den vielen Informationen, die es uns schwer machen, sie zu sortieren und zu verstehen und manchmal auch lähmen und bedrücken. Und da hinein ruft Gott uns zu: Du schaffst das!  Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.  Ja, auch wenn wir im Moment sonntags in unseren Kirchen nicht (mit) singen dürfen (da mag die Maske sogar hilfreich sein), Zuhause können wir das aber, ganz laut und schwungvoll. Da können wir das heraus singen, was uns grade auf den Lippen liegt. Und wir können das mit großer Zuversicht tun und darauf vertrauen, dass Gott uns hört und sich freut.  Denn Singen ist nichts anderes als ein gesungenes Gebet.

Wenn wir irgendwo mitsingen oder auch nur summen oder mit dem Fuß im Rhythmus mitwippen, dann sind das immer Lieder, deren Text unser Innerstes beschäftigt, irgendein Gedanke, der uns bewegt oder berührt. Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!  Ob wir laut mitsingen oder nur ganz leise für uns, wir sind mit hineingenommen in das Wunder Gottes, wir sind ein wichtiger Teil davon.  Ich wünsche uns allen, dass wir das eine oder andere Lied in der nächsten Zeit auf den Lippen haben, das uns begleitet und Mut macht, weil Gott an unserer Seite ist. Und im Gottesdienst müssen wir jetzt eben ein bisschen kreativer werden, wenn die Musik spielt, dann dürfen wir mitschwingen, klatschen oder schnipsen, um so unserer Freude an der Musik oder dem Einzelgesang Ausdruck zu verleihen! Gott ruft uns mit mindestens so viel Kraft und Freude wie die Gruppe aus Kleinensiel zu: Du schaffst das!  Amen.
 
Bettina Roth, Pfarrerin

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